« zurück

Früherkennung der Amblyopie (Sehschwäche) im Kindesalter

Amblyopie nennt man die Sehschwäche eines organisch gesunden Auges.

Babys können schon kurz nach der Geburt mit ihren Augen die Umwelt wahrnehmen, wenn auch nur undeutlich. Die Sehschärfe muß sich erst durch ständiges Üben entwickeln. Dies geschieht hauptsächlich während der ersten sechs Lebensjahre und ist ab dem 11. Lebensjahr nicht mehr zu beeinflussen.

Die Entwicklung der Sehschärfe ist so etwas wie ein Lernprozeß des Gehirns. Wird eine Amblyopie nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt, bleibt die Sehschwäche lebenslang bestehen und kann weder durch eine Brille noch durch eine Operation verbessert werden.

Deswegen empfehlen Augen- und Kinderärzte eine augenärztliche Untersuchung nach Dringlichkeit gestaffelt:

  • sofort
    bei sichtbaren Auffälligkeiten der Augen, wie z.B. Augenzittern, Hornhauttrübungen, grau-weißlichen Pupillen, großen lichtscheuen Augen oder bei Lidveränderungen, hier besonders Hängelidern, die die Pupille verdecken, oder falls Sie sich nicht sicher sind.

  • mit 6 bis 12 Monaten
    bei erhöhtem Risiko für Schielen oder für Fehlsichtigkeiten (optische Brechungsfehler) oder für erbliche Augenerkrankungen. Das liegt z.B. vor bei Frühgeburten, Kindern mit Entwicklungsrückstand, Geschwistern oder Kindern von Schielern und stark Fehlsichtigen (besonders Übersichtigen), sowie bei Kindern aus Familien mit bekannten erblichen Augenerkrankungen.

  • mit 31 bis 42 Monaten
    Alle übrigen, auch unverdächtigenKinder zur frühzeitigen Entdeckung eines kleinwinkligen Schielens oder von optischen Brechungsfehlern.

Die hauptsächlichen Ursachen für die Entstehung einer Amblyopie sind:

  • Die Wahrnehmungen eines schielenden Auges werden im Gehirn unterdrückt, damit keine Doppelbilder entstehen. So kann sich am schielenden Auge keine normale Sehschärfe entwickeln.
  • Wird eine höhergradige Fehlsichtigkeit ( Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit und Astigmatismus) nicht durch eine Brille korrigiert, dann entsteht auf der Netzhaut keine scharfe Abbildung. Auch hier kann sich die Sehschärfe nicht voll entwickeln.
  • Wenn die Augen eine unterschiedliche Refraktion besitzen ( d.h. die Brechkraft des rechten und linken Auges ist unterschiedlich ) besteht ebenfalls die Gefahr eine Amblyopieentstehung.

Das Ziel der Amblyopiebehandlung ist, die Sehschärfe des amblyopen Auges zu verbessern.

  • Dabei muß zunächst der Sehfehler mit einer Brille korrigiert werden. Oft bessert sich schon dadurch die Amblyopie. Wenn das Kind vorwiegend sein besseres Auge benutzt, wird das amblyope Auge jedoch unterdrückt.
  • Um nun das schlechtere ( also das ambyope Auge) zu trainieren wird das bessere Auge okkludiert ( d.h. durch ein Pflaster oder eine Folie abgedeckt).
  • Beider Okklusionsbehandlung wird jeweils ein Auge - abhängig vom Befund - in einem bestimmten Rhythmus mit Pflaster oder Folie abgedeckt, damit die Sehschärfe ansteigt.
  • Diese Behandlung muß unter Umständen bis zum 11. Lebensjahr fortgeführt werden, d.h. bis die Sehschärfenentwicklung abgeschlossen ist.

Ihr Kind hat derzeit keine Sehschwäche
Der Kinderarzt hatte jetzt bei einer Vorsorgeuntersuchung den Verdacht, dass etwas nicht stimmt mit den Augen Ihres Kindes oder Ihnen selbst war etwas aufgefallen. Zum Glück hat die heutige Untersuchung diesen Verdacht nicht bestätigt. Ihr Kind hat auf beiden Augen eine altersgerechte Sehschärfe und schielt nicht. Diese Untersuchung erfasst aber nur 80 bis 85 der Risiken für die weitere Sehschärfeentwicklung.

Welche Risiken für eine Sehschwäche bestehen dennoch?
Kinder können kurzfristig über die Naheinstellmuskeln sehr große Fehlsichtigkeiten ausgleichen und dann beim Sehtest unauffällig sein. Eine höhere Übersichtigkeit oder verdeckte Organfehler können bei enger Pupille unentdeckt bleiben. Dies sind Risikofaktoren, die längerfristig zu Anstrengungssehbeschwerden und auch zu dauerhafter Sehschwäche führen können. Wir empfehlen Ihnen deswegen noch eine Untersuchung auf verdeckte Organfehler und Sehschwächerisiken, bei der die Naheinstellmuskeln vorrübergehend außer Kraft gesetzt werden (Zykloplegie). Erst damit können die restlichen Risiken mit größtmöglicher Sicherheit ausgeschlossen werden.

Verschaffen Sie sich Sicherheit, dass mit den Augen Ihres Kindes alles in Ordnung ist. Verhindern Sie eine lebenslange Sehschwäche.

Wer trägt die Kosten?
Im Gegensatz zu den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt, gehört die Früherkennung der Amblyopie beim Augenarzt nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, wenn wie bei der heutigen Untersuchung kein Befund oder Symptom auf diese Krankheit hinweist. Als Eltern bezahlen Sie dafür privat ein maßvolles Honorar an den Augenarzt, falls Sie diese Untersuchung für Ihr Kind wünschen.
Wir beraten Sie auch gerne darüber, in welchen Fällen die gesetzliche Krankenkasse für die Untersuchungskosten aufkommt.

Ergeben die Vorsorge-Untersuchungen einen krankhaften Befund, werden alle weiteren Untersuchungen und die Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Haben Sie weitere Fragen? Wir beantworten sie gern.

Ihr Praxisteam Dres. Steiner/Borgmann